20.05.2012 Rhein-Ruhr-Marathon

von Helmut Buteweg

Ergebnisse und Berichte vom 29. Rhein-Ruhr-Marathon.

Werner Kamps & Anna-Lina Dahlbeck liefen den Marathon für die BSG mit überragenden Ergebnissen.

Kaum zu glauben, aber Anna-Lina war deutlich schneller wie unser Werner.

Helmut hat wohl alle Rekorde gebrochen und schon nach 3km mit stechenden Wadenschmerzen das Handtuch geworfen. (Nachtrag.   Diagnose: Muskelfaserriss)

 

Alfons, der auch auf der Halbmarathonstrecke unterwegs war, hat für uns einen bemerkenswerten Bericht geschrieben.

Werner Kamps hat  seinen Marathon mit Anna-Lina ebenfalls kommentiert. (Hinter den Einzelergebnissen.)

Von Alfons: 

Ich war schon mal bei besseren Einlaufzeiten enttäuschter. Meine Laufzeit beim Halbmarathon Duisburg von 1:48:44 Std. ist nicht gut, es müsste sogar die schlechteste Halbmarathonzeit in den letzten 12-13 Jahren gewesen sein, die ich lief. Aber ich bin nicht enttäuscht, sondern zufrieden. Darüber und weil ich darum gestern bei der Lauftreff-Radtour darum gebeten wurde, schreibe ich etwas über die Veranstaltung heute in Duisburg.

Dazu muss ich etwas ausholen. Silvester 2010 hatte ich als guten Vorsatz mich für den Duisburg-Marathon 2011 angemeldet. Ich war nach langer Zeit über 12 Monate keinen Marathon mehr gelaufen, und dachte mir "ich bin zum Marathonlaufen immer weit gereist, aber nie in der Region beim DuisburgMarathon gestartet". Im Frühjahr 2011 wollte es aber einfach nicht mit dem Marathontraining anlaufen, wie das nötig gewesen wäre. Gründe gab es viele, u.a. dass es keine Mitläufer im Verein gab, schlüssig waren sie natürlich nicht. So habe ich den Duisburg Marathon verstreichen lassen, ohne zu starten ohne umzumelden auf Halbmarathon. Die gleichen Vorsatz habe ich dann Silvester 2011 mir gegeben, mit dem Unterschied, dass ich mich nicht verbindlich anmeldete zum Duisburg Marathon 2012. Auch das Training glich eigentlich zuerst dem aus dem Vorjahr. Ich hatte nur den Druck der Anmeldung nicht. Das Frühjahr verging, ohne an einem Wettkampf teilgenommen zu haben, und ich merkte mir fehlt doch der Kick an der Startline zu stehen, in einem Lauf an sein Limit zu gehen, überholt zu werden, zu überholen, der Kick, die Zufriedenheit nach Überqueren der Zielline. Anders als letztes Jahr, verlief das Training in den letzten Wochen dann doch gut. Ein HSVler rief ständig an und dann kann ich ja nicht "nein" sagen und wir drehten so manche Runde in den letzten Wochen - Danke dafür. So realistisch war ich dann schon, dass das Training nicht für einen Marathon reicht, aber aus den oben genannten Gründen und da ich bisher in meiner neuen Altersklasse noch keinen Wettkampf bestritt, meldete ich mich Mittwoch dieser Woche zum Halbmarathon Duisburg an. Am Donnerstag dann die Generalprobe mit dem HSVler, noch ca 18km abgerissen und ich war zuversichtlich für heute. Helmut Buteweg war auch gemeldet, hatte aber tagzuvor wegen muskuläre Probleme abgesagt, sodass ich gegen 7:15 Uhr morgens alleine losfuhr, um pünktlich um 9:00 Uhr starten zu können. Zur Anreise kurvte man noch den schon abgesperrten Strassen drumrum, in einem Konvoi umfuhren wir über einen Tankstelle eine Strassensperre und kamen über die Originalstrecke (km18-km20) bis auf den Großparkplatz direkt vor die MSV-Arena (mir ist egal, dass die jetzt anders heisst). Etwas unkordiniert aber doch recht fix, gab's dann die Startnummer, sodass ich noch 20 Minuten Zeit hatte an der Toilettenschlange zu stehen. Und selten gesehen, bei den Frauen standen weniger als bei den Männern. Vom Auto dann auf kurzem Weg zur Startlinie, wo ich dann Volker ein Mitorganisator des Duisburger Innenhafenlauf traf, den ich von taf-timing.de ganz gut kenne.

Ja und dann, war dann plötzlich Helmut auch noch da. Er hatte sich morgens umentschieden. Kurz darauf starten wir im Block 1:45Std. Zielzeit. Mein nicht sehr ambinitionierte Vorgabe war ja "unter 2 Stunden anzukommen", sodass ich es langsam anging und Helmut und Volker direkt nach vorne hin verlor. Schon einige Wochen machte mir die rechte verhärte Warde immer wieder etwas Sorge, ein Training vor Wochen musste ich deshalb abbrechen, heute spürte ich sie zwar, aber sie behinderte mich nicht flüssig und zügig zu laufen. Jeden Kilometer stoppend und im Kopf immer einen Schnitt von 5:30 Min/km im Auge, um nach meiner Leistungmöglichkeiten nach oben und unten offen zu bleiben lief ich die ersten 5km in 26:16 Min. danach km6-10 in 25:45, schneller, weil ich mich grundweg wohl fühlte, aber mich bis dahin nicht einschätzen konnte, weil mir (bis auf das Trainingslager) die langen Einheiten fehlten. Die 3. 5km lief ich dann in 26:14 Min und danach begann ich zu rechnen, was denn für eine Zielzeit möglich war. "Wenn ich mich noch gut fühle und ich schneller werde, geht's auch noch unter 1:50 Std", dachte ich und gesagt getan, lief ich km 16 in 5:06, dann 5:08;5:04; 4:56 und km 20 als schnellsten in 4:46 Min., dann war ich sicher, "ich komme unter 1:50 Std. an. Da ich zu dieser Zielzeit noch Luft hatte genoss ich den letzten Kilometer unter toller Stimmung mit Einlauf in die Arena und stoppte die Zielzeit mit 1:48:44 Std.

Die Beine schwer, nicht alle Körner verbraucht, aber am Ende alles gegeben - Fast perfekt. Dann wurde es sommerlich heiss und ich bedauerte die Marathonis die ja 20 Minuten später wie wir gestartet waren. Ich plauderte noch etwas mit flüchtigen Bekannten, aber so viele traf ich dann doch nicht. Ausserhalb des Stadions sah ich dann noch den Kenianer als Sieger in die Arena einlaufen (sehr locker in 2:30 Std.) und nur 30 Sek. später der Lokalfavorit Magnus und dachte, "sehr schade für ihn, Magnus wäre der bessere Sieger gewesen, aber der Kenianer wäre wohl immer so schnell gelaufen, dass er gewinnen würde". Ungeduscht fuhr ich dann die wenigen Kilometer nach Hause, und freute mich, auf meiner Terasse bei Sonnenschein ein Kotlett zu essen, dass ich mir schon freitags als Belohnung gebraten hatte.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Ges.Pl.AKAKNameZeit
Marathon        
2. 1. W30 Dahlbeck, Anna-Lina 03:07:32
32. 10. M45 Kamps, Werner 03:08:30
Halbmarathon        
617. 116. M40 Awater, Alfons 01:48:44

 

Duisburg-Marathon      (von Werner )

Anna-Lina Dahlbeck wird an ihrem Geburtstag Gesamtzweite des
Duisburg-Marathons und Westdeutsche Betriebssportmeisterin
Werner Kamps erreicht nur mit Schwierigkeiten das Ziel

Am Sonntagmorgen ging es schon früh los nach Duisburg zur
Schauinsland-Arena. Dort hatten Anna-Lina und ich zusammen mit 1.167
anderen Teilnehmern ein gemeinsames Vorhaben: Marathon--die sogenannte
Königsdisziplin des Langstreckenlaufes lag vor uns. "Hier in Duisburg laufe
ich gerne. Es gefälllt mir an diesem Lauf besonders, dass man einerseits
ruhigere Streckenabschnitte durchläuft und andererseits in den
Fußgängerzonen der Stadtteile viele Zuschauer hat. Die Kombination von
beidem macht die Besonderheit dieser Veranstaltung aus" sagte Anna-Lina,
die im Vorjahr hier ihren ersten Marathon lief. Da auch eine Wertung des
Westdeutschen Betriebssportverbandes durchgeführt wurde, haben wir uns
entschlossen, diesmal für die Betriebssportgemeinschaft des Kreises Wesel
zu starten. Wie sich später herausstellte, sollte dieses mit einem Titel
für die Triathletin des TuS Xanten belohnt werden.

Bereits bei der Ankunft in Duisburg schien die Sonne und es war angenehm
warm. Als ca. eine halbe Stunde vor dem Start an der Kruppstraße die
Bewölkung zunahm, entschloß ich mich, keine Laufkappe mitzunehmen. Eine
Fehlentscheidung, die ich noch ordentlich bereuen sollte. Kurz vor dem
Start wird noch einmal die Marschroute besprochen. Unsere Zielzeit liegt
bei 3 Stunden 15 Minuten, also nehmen wir uns einen Schnitt von 4:37
Minuten pro Kilometer vor. Dann geht alles ziemlich zügig: ein kurzes Stück
wird im Marathon-Renntempo warm gelaufen, die Schuhriemen richtig zubinden,
der Startschuß fällt und ab geht die Post. 42,195 km durch die
verschiedenen Stadtteile Duisburgs galt es laufend zu bewältigen.

Mit Zeiten von 4:40 Minuten pro Kilometer wurde die Strecke angefangen.
"Durchaus in Ordnung" habe ich mir gedacht. Doch bereits kurze Zeit später
wurden wir schneller. "Nicht in Ordnung" war mein Eindruck in dieser Phase
des Rennens. Mehrfach müssen wir uns mit der Laufgeschwindigkeit
zurückhalten. Die Uhr wird gerade im ersten Drittel des Marathons zum
unverzichtbaren Begleiter.
Unsere Zwischenzeiten sind, gemessen an der geplanten Zielzeit, zu schnell.
Die Halbmarathondistanz haben wir nach einer Zeit von 1:36:43 Stunden
erreicht. Dabei werden wir von einer Gruppe des Lauftreffs Haldern kräftig
angefeuert.

Auf der zweiten Streckenhälfte erhöhen wir langsam, aber doch ziemlich
sicher, das Lauftempo. Von mehreren Zuschauern wird Anna-Lina immer wieder
zugerufen, dass sie in der Gesamtwertung bei den Frauen auf dem dritten
Platz liegt. Dorothea Frey vor Sabrina Krämer und Anna-Lina Dahlbeck-----so
lautet die Reihenfolge, bevor die letzten 10 Kilometer beginnen. Was dann
geschieht verdient allerhöchste Beachtung. Obwohl das Lauftempo bereits
hoch ist, wird von Anna-Lina ab Kilometer 34 nochmals die
Laufgeschwindigkeit ordentlich angezogen. Sie steigerte kontinuierlich das
Tempo bis auf Kilometerabschnitte, die bei 3:40 Minuten lagen. Zwischen
Kilometer 37 und 38 ist aus der Ferne die bis dahin auf Platz 2 laufende
Sabrina Krämer erkennbar. Gleichgültigkeit macht sich bei ihr nicht
bemerkbar. Ganz im Gegenteil: der Laufehrgeiz treibt sie mit kraftvollen
Schritten immer näher an die zweite Läuferin heran. Innerhalb weniger
hundert Meter gelingt es ihr, an dieser vorbeizulaufen.

Frey vor Dahlbeck und Krämer, das war danach die neue Platzierung, die
beachtet werden musste. " Ich habe anschließend versucht, das Tempo, so gut
es ging, nochmals zu erhöhen, weil ich befürchtete, dass Sabrina mich noch
einholen könnte" erklärte sie nach dem Zieleinlauf. Dieses bekam auch ich
zu spüren. Bis 3 Kilometer vor dem Erreichen der Schauinsland-Arena konnte
ich ihrem Lauftempo noch folgen. Doch dann kam bei mir die Einsicht, dass
es auch für mich zu schnell wurde. Schmerzen in den Oberschenkeln begleitet
von einzelnen Muskelkrämpfen im Wadenbereich sowie die aufkommende Sonne
machten mir zu schaffen. Meine Laufkappe, die ordnungsgemäß gesichert im
Kofferraum meines Autos lag, hätte ich jetzt gut gebrauchen können.
Stattdessen merkte ich, wie die Sonne erbarmungslos auf meine Gesichtshaut
brannte. Mit den Worten: "Lauf so schnell Du kannst" habe ich ihr bei
Kilometer 39 gesagt, dass sie alleine vorauslaufen sollte. Dieses hat sie
auch in einer beeindruckenden Art und Weise gemacht.

Als ich in das Stadion einlief, hatte Anna-Lina bereits die Zielgerade
erreicht. Donnernder Applaus eines frenetisch anfeuernden Publikums war zu
hören. Sie hatte tatsächlich den zweiten Platz in der Gesamtwertung der
Frauen gehalten und überquerte nach 3:07:32 Stunden die Ziellinie. Damit
hatte sie sich selbst ihr wohl schönstes Geburtstagsgeschenk bereitet.
Zusätzlich wurde sie durch diese Zeit auch Westdeutsche
Betriebssportmeisterin im Marathonlauf und Erste in ihrer Altersklasse.

Knapp eine Minute später kam ich ins Ziel. Über meine eigene Laufleistung
war ich enttäuscht. Für mich ist keine Welt zusammen gebrochen, aber weit
davon entfernt war es auch nicht. Die Schmerzen in den Beinen sowie die
Hitze---das hatte ich so in dieser Form nicht mit einkalkuliert. Trotz
dieser für mich widrigen Begleitumstände muss schon ganz klar und eindeutig
anerkannt werden, dass Anna-Lina einfach die bessere und schnellere
Läuferin war. Mit der von ihr eingeschlagenen Geschwindigkeit während der
Schlußphase des Marathons kam ich nicht mehr mit. Da war ich schlichtweg
überfordert. Ich hatte ihre Laufleistung offensichtlich unterschätzt und
meine eigene überschätzt.

Zu dem Marathonergebnis von Anna-Lina kann ich nur Respekt und Anerkennung
von der gesamten Hamminkelner Lauf- und Triathlongruppe weitergeben ! Von
allen, mit denen ich bisher gesprochen  habe, wurde mir dieses bestätigt.
Eine sagenhafte Laufleistung, auf die sie zurecht stolz sein kann. Von
daher kann ich auf diesem Weg nur nochmals sagen:

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH von uns allen aus Hamminkeln !


 

http://www.rhein-ruhr-marathon.de/