Ironman 70.3 Lanzarote

Mit einer Gesamtzeit von 5:58:10 Std. vertrat Thomas aus dem Spring den HSV auf der halben Ironman-Distanz auf Lanzarote. Glückwunsch!

Weiter Infos unter: http://eu.ironman.com/triathlon/events/emea/ironman-70.3/lanzarote.aspx
Zum Bericht und detailierten Ergebnis...


1900 m Schwimmen / 90 km Rad / 21,1 km Laufen
Ges.Pl.AKAKNameEinzelzeitenZeit
196 26 M45-49 aus dem Spring, Thomas 0:38:09
3:16:01
1:55:16
5:58:10


Bericht von Thomas - Lanzarote, 5.10.2013 - Ironman 70.3

Fotos

Wieso sind gerade in dieser Nacht so viele Mücken unterwegs? Mit einem Handtuch bewaffnet gehe ich um 3:35 zum letzten Mal auf Jagd. Die Blutspuren interessieren höchstens den Anstreicher! Aber uns bestimmt nicht. Bis jetzt kein Auge zugemacht! Und um 6:00 geht der Wecker. Toll! Na ja egal. Die letzten Nächte haben regelmäßig 8 -10 Stunden Schlaf gebracht. Das sollte reichen! Nur wie doof muss man sein, sich einen Tag vor dem Wettkampf noch nen fetten Sonnenbrand einzufangen? Also schnell noch ein Radshirt eingesteckt statt des windschlüpfrigen SingleTops. Kostet zwar wertvolle Sekunden, bedeckt aber die Schultern.
Die Schiedsrichter sind ziemlich locker. Und so ist es möglich, morgens vor dem Start noch mal schnell an die bereits am Vorabend in der Wechselzone deponierten Wechselbeutel zu gelangen und deren Inhalt zu modifizieren. Das Rad hängt auch schon die ganze Nacht am Ständer. Ca. die Hälfte der Bikes ziert am Raceday die ausgehändigte PowerBar Cover Folie. Also pingelig bin ich ja auch, aber son bischen nächtlicher Nieselregen? Aber es gibt ja auch noch die Spionagefraktion und somit hat eine Abdeckfolie auf jeden Fall ihre Vorteile. 80% Zeiträder, das volle Programm!! Ich habe mich allerdings zum RR entschieden! Nicht ganz ohne Grund. Karbonlaufräder sind schön, außer wenn sie brechen! Der Godfather of Triathlon, der wohl bei jedem Event irgendwie dabei ist, eröffnete zumindest seine vorabendliche Rede beim Briefing mit den Worten: "On the Bikecourse tomorrow, accidents will happen!"
Na ja, er behielt leider recht. Soweit wir es überschauen konnten, ist aber Gott sei Dank nichts Schlimmeres passiert. Fast ein Wunder, wenn man mit einem Speed von 80 und mehr auf eine Serpentine oder einen Kreisverkehr zudonnert! Man könnte es ja auch lassen;) Das sind aber auch Winde, die unvermittelt in die Hochprofilfelgen greifen! Jedenfalls konnte ich mit einem Schnitt von relativ bescheidenen 27,8 km/h einige P5, Plasmas, Speed Concepts, Slices und Trinitys hinter mir lassen, die sicherlich ihre konzeptionellen Vorteile in einer deutlich höheren Geschwindigkeitsspähre auszuspielen vermögen. Um ehrlich zu sein, ist es schon ziemlich geil, auf nem normalen RR die Zeitfahrboliden und die dazugehörigen "Tütenhelme" zu überholen. Aber das ist ja nicht immer so! Und die Allerschnellsten haben sowas bekanntermaßen ja auch.
Diese hat man irgendwie schon Tage vorher in jedem halbwegs trainierten Urlauber zu erkennen geglaubt! "Guck mal der da macht bestimmt auch mit!" Alle besser trainiert als man selbst. Der Wettkampf fängt ja bekanntlich mit dem Schwimmen an und nicht mit meiner Lieblingsdiziplin. Erst die Pros und 3 min später dann die Agegrouper stürzen sich in die Meerwasser-Lagune am Club La Santa. Körperkontakt fast auf der gesamten ersten Hälfte! Trotzdem irgendwie rücksichtsvoll. Wassertiefe teils unter 50! cm. Manche liefen immer wieder. Sicht: Null. Glaubt mir, dreckiger als die Alster!
Manche Athleten hatten nach dem Schwimmen ein schwarzes Gesicht wie gerade aus dem Flöz, sagt Petra, die das gesamte Rennen verfolgte und mich super gecoacht hat. Deshalb gab's wohl auch die Duschen nach dem Schwimmen. Und soviel Ladival 50 hab ich noch nie auf einem Haufen gesehen! Körperpflege in der Wechselzone! Ob's deshalb fast 7 min gedauert hat? 38 min sind für mich eigentlich gar nicht schlecht für die 1.9, nur waren leider 2/3 der Teilnehmer (noch) schneller!
Schlecht! Psychologisch aber günstig fürs Radeln!
Hier wurden Freundschaften geschlossen. Karl-Heinz mit der Bayrischen Flagge auf dem Time-Flyer-Rose-Rahmen wurde ebenso zu meinem Gesprächspartner auf der Radrunde wie der Andere der keine Ahnung wie der hieß aber total nett war und mit dem sich das Tempo mehrere Male kreuzte. Super war auch Ovidi aus ESP, der ca. gleichschnell auf dem Rad zum späteren Zeitpunkt mein Laufpartner wurde und mir ungefähr 6 Stunden nach dem Start schweissüberstömt in die Arme fiel. Der konnte weder Englisch geschweige denn Deutsch. Unterhalten und vor allem verstanden haben wir uns bestens.
Und wir haben gemeinsam die Stimmung genossen. Die Spanier sind ja eh schon ein temperamentvolles Völkchen und hier auf den Kanaren wurden über die Jahrhunderte immer wieder Südamerikanische, Mexikanische und Kubanische Gene zudosiert. Die Anfeuerungen erinnerten jedenfalls an karnevalistische Großveranstaltungen. Gänsehaut bei Gluthitze.
Bin ich ein Held! Zeitgleich mit dem Sieger bog ich ins Stadion ein - nur schade, dass Der bereits fertig war und ich noch 21 km vor mir hatte. Aber egal, wir haben halt weniger Zeit und Talent, dafür aber vielleicht mehr Spass. Obwohl Spass? Der verging mir beim Laufen dann doch noch. Die riefen immer alle: you Look well! Und Good Job und so. Glaub ich aber nicht! Hab die Videos gesehen, die Pe gedreht hat. Allerdings für meine Verhältnisse ok. Der Plan - wenn's einen gab- ist jedenfalls voll aufgegangen.
Die Pulswerte waren da, wo sie hingehören. Die Beine haben mitgemacht. Die Hochrechnungen zu jedem Zeitpunkt des Halbmarathons stimmten (und vorher braucht man auf Lanzarote nicht anfangen zu rechnen bei 1.800Hm!). Genau wie das Ergebnis. 5:58! Unter 6 Std war der (realistische) Traum. Und 196ter von über 430 (male inkl. Pros) find ich selbst auch gar nicht so übel. Einige von den vorher vermeintlich ausgemachten Profis waren jedenfalls langsamer. Wie zum Beispiel Gomez und Sanchez, die im professionellen Teamoutfit, muskelbepackt und im ständigen beiderseitigen Windschatten über die Insel reisten. Die waren noch am Laufen, als wir 2 Stunden nach dem Zieleinlauf im Mietwagen wieder zum Hotel fuhren. Vielleicht zu lange in der Penalty-"Lounge" verbracht. Haben ihre Stärken bestimmt in anderen Disziplinen. Trotzdem glaube ich, dass ich es ohne Ovidi nicht geschafft hätte! Hat sich beim Laufen immer wieder nach mir umgedreht und mich angetrieben. Nachdem ich ihm im Kauderwelsch von der Zielzeit berichtet hatte. Ihm selbst war's glaub ich völlig egal. Cool! Aber man wird doch wohl mit Mitte 40 nochmal im Ziel eine Träne verdrücken dürfen? Im Zielbereich die W30-erin aus GER. Die vom Flughafen. Erkennbar an dem Radkoffer. Hat's auch geschafft in 6:44 und ist sehr zufrieden. Smalltalk. Auch mit ihrem Freund. Eindeutig kein Triathleht. Aber Spass inne Backen. So muss das! Abends am Hotelpool. Moment mal, der Typ da vorne hat doch auch so Sonnenstreifen! Die Blicke treffen sich. Dave aus GBR hat's in 5:56 geschafft. Will im nächsten Jahr bei den ganz großen Jungs mitspielen. Langdistanz Lanzarote! Puh!

Danke für die vielen Glückwünsche!

Thomas adS