Andeas Janus lief den Strandmarathon in den Haag

Andreas hat für uns einen Bericht darüber erstellt.
 
Ergebnisse liegen noch nicht vor.

 

http://denhaagstrandmarathon.nl/de/ 

 

Liebe MitsportlerInnen beim HSV,

 

  letzten Sonntag, 14. 1. 2018, war ich in den NL beim „Den-Haag-Strand-Marathon“. Das war in mancherlei Hinsicht schon etwas Besonderes, weshalb ich hier dazu ein paar Zeilen schreibe:

  Also: Den Lauf gibt es zweimal im Jahr: Jedes Mal am zweiten Sonntag im Januar und am zweiten Sonntag im Juli.

  Der Lauf verläuft vom Den-Haager-Vorort Wassenaar auf Radwegen für 3 Kilometer auf dem kürzesten Weg an den Strand beim Pier in Scheveningen – und dann 18 Kilometer immer auf dem Strand nach NNO bis zum Strand bei Nordwijk - und dann einfach als Wendepunktstrecke wieder zurück, also insgesamt etwa 36 Kilometer am Strand entlang.

  Man denkt ja so: „Ja, ja, Strand, das kenne ich, bin ich doch im Urlaub auch schon einmal drüber gelaufen, ist ja alles nicht so schlimm“ - aber „Holla-die-Waldfee“.

  Also: Es gibt nicht „die“ Laufstrecke, sondern jeder sucht sich auf dem (ziemlich breiten) Strand die Passage, die ihm am besten zu sein scheint; das heißt aber auch, dass man mehr oder weniger im Zick-Zack läuft, was sicherlich die Laufdistanz um einige hundert Meter verlängern wird. Natürlich möchte man am liebsten einfach „Luftlinie“ laufen, aber das klappt auf Grund der Priele nicht, man muss immerfort gucken, wo das kommende (oder auch gehende) Wasser gerade so flach ist, dass man eine Abkürzung nehmen kann – und wo es nicht mehr geht, und man einen Umweg um irgendeine „Bucht“ laufen muss, wobei die Schwelle, durch wie viele Zentimeter tiefes Wasser man dann doch kurz zu laufen bereit ist, bei jedem halt woanders liegt.

  Jedenfalls liefen wir am Sonntag mit Flut. Das heißt, auf dem Hinweg kam zwar das Wasser, aber es gab noch ziemlich viel „harten Strand“ an der Wasserlinie, auf dem man leidlich (mit den beschriebenen Umwegen) vorankam. Aber so ungefähr nach 3/4 des Hinwegs hatte das aufkommende Wasser diesen Abschnitt „aufgefressen“, so dass man immer weiter in´s Landesinnere abgedrängt wurde – wo der Sand natürlich viel lockerer war. Auf jeden Fall: Von den ca. 36 Kilometern am Strand musste man am Sonntag ungefähr 24 auf weichem (gut für die Knochen) Sand laufen. Es war schrecklich. Es kommt einem so vor, als laufe man jeden Meter doppelt. Nicht umsonst nennen die Veranstalter als Durchschnittszeit für ihren Lauf satte 5 Stunden, Zielschluss ist erst nach 6 Stunden. Ständig lief man auch auf dem Rückmarsch wieder im Zick-Zack, in der Hoffnung irgendwo einen Abschnitt zu finden, wo man nicht ganz so tief einsank (etwas besser waren Streifen mit Muschelresten, die ein wenig Stabilität boten, aber die Verhältnisse änderten sich natürlich ständig). Jedenfalls: Als wir ab Kilometer 39 ENDLICH in die Dünen abdrehen durften und dort auf stabilen Untergrund (wieder Radwege) trafen (also das Normalste von der Welt) war es einfach „himmlisch“.

  Was noch ungewöhnlich ist: Der Lauf ist so klein, dass man im Internetz keine Ergebnisliste findet. Ich war wohl 32ter (und damit Vorletzter). Meine selbstgestoppte Zeit gibt an, dass ich den Zielschluss um (gerade einmal) etwas mehr als 10 Minuten unterschritten (und meine persönliche Planung um 1,5 Stunden überschritten) habe.           Sonst aber hatten wir am Sonntag ein Riesenglück:

  Es gab keinen Niederschlag, morgens war es ein bisschen diesig, ab 12:00 (Start war um 10:00) schien dann bis zum Schluss die Sonne, es wehte eine leichte Brise von der Küste her, es waren konstant moderate 4-„kurze-Hosen-Temperatur“-Grad, die Nordsee war praktisch spiegelglatt: Es waren also absolut ideale klimatische Bedingungen (für Mitte Januar!) - wennwennwenn bloß der Sand, der weiche, nicht gewesen wäre.

  Ansonsten: Der Lauf heißt auch der „Zwarte Marathon“ – und man bekommt im Ziel dann auch ein schwarzes T-Shirt; ich dachte ja ursprünglich, der Lauf hätte seinen Namen auf Grund des Gedächtnisses an ein Tanker-Unglück, weil in irgendeinem Jahr man durch eine Strand-Ölpest durchgepest wäre, aber weit gefehlt: „Zwart“ heißt hier „illegal“, weil die ersten Läufe wohl ohne behördliche Genehmigung durchgeführt wurden (da gibt es am Strand auch nicht viel abzusperren). Ansonsten: Man läuft permanent um irgendwelche Hunde, die irgendwelche armen Wasservögel jagen, herum; wie das im Juli mit dem Lauf funktionieren soll, wenn der Strand voll Beachvolleyball spielender Urlauber ist, vermag ich mir nicht vorzustellen. Die Verpflegung ist mäßig: Stationen (nur Wasser und Bananen) bei KM 10,5, 21, 31,5 und 39 – und die 31,5er (also die von 10,5 noch einmal) war schon abgebaut als ich dort angestolpert kam; so richtig klar ist mir nicht, wofür der Lauf 42 Euro kostet, einen Sanitäter z. B. habe ich nirgends gesehen. Was einen noch zusätzlich „fertig gemacht hat“: Den-Haag-Scheveningen ist ja ein riesiges Seebad, mit Riesenrad und Hochhäusern und enormem Pier, und nach der Wende in Nordwijk konnte man es – in etwa 20 Kilometer Entfernung - schon vor sich sehen und kam und kam und kam stundenlang einfach nicht näher daran heran.

  Also: Eine regelrechte Empfehlung ist das jetzt nicht. Ich hatte auf Grund des guten Wetters am Sonntag wohl Glück im Unglück. Diesen Lauf auf diesem Untergrund und völlig exponiert bei einem Wintersturm möchte ich mir lieber nicht vorstellen – und im Sommer durch zehntausende Urlauber (sonntags!) hindurch zu stolpern und in Sandburgen zu stürzen, ist wohl auch nicht jedermanns Sache, Andreas Janus