Ein toller Bericht von Petra adS


Dauerregen! Der Blick nach draußen verrät: Die Wetter-App hatte leider recht! In wenigen Stunden wurde der Nordosten Mallorcas zu einer wahren Wasserlandschaft. Amtlich: "Insgesamt gingen an diesem Tag etwa zehn Prozent der durchschnittlichen Regenmenge eines ganzen Jahres über Alcudia und Umgebung nieder!" Ok, erst mal frühstücken. Udo, Thomas und ich sind gut vorbereitet, haben an alles gedacht, nur nicht daran: Hat die Küche schon geöffnet? Na klar, da gibt es noch mehrere "Frühaufsteher". Es regnet weiter. Dazu kommen nun auch noch Windböen. Wie wir später erfahren bis zu 50 km/h. Planänderung: Wir gehen nicht im Neoprenanzug zu den Rädern, sondern im Trainingsanzug. Letzter Check, Wechselbeutel und Räder kontrollieren, die wir am Tag zuvor in die Wechselzone gebracht haben. Räder mit Flaschen, Gels und Riegel bestücken, Reifen aufpumpen. Da, der erste Knall, zum Glück nicht bei uns, irgendwo ist ein Reifen geplatzt. Dann geht's wieder ab aufs Zimmer, nur 50 Meter entfernt! Jetzt wird es ernst: Neo an, Kappe und Brille mitnehmen. Auf zum Schwimmstart! Es regnet immer noch! Und wir hatten uns so sehr auf einen Schönwetter Triathlon gefreut! Wir warten noch sehr lange bis wir in unsere "Startbox" gehen - 35 bis 39 Minuten ist unsere zu erwartende Schwimmzeit. 7:55 Uhr, der Startschuss fällt für die Profis. Danach sind wir mit dem Rolling Start dran. Immer 5 Athleten gleichzeitig gehen alle 5 Sekunden ins Wasser. Für mich sehr angenehm. Der Massenstart mit 3.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wäre ein Hauen und Stechen geworden. Nach langen 30 Minuten warten, heißt es nun auch für Thomas und mich, ab ins Wasser. Leider ist das Meer genauso unruhig wie wir. Es geht 900 m raus aufs Meer, 100 m quer und dann wieder 900 m auf der Gegengeraden zurück. Nach ungefähr 700 m traue ich meinen Augen kaum, Feuerquallen, Hunderte, das kann doch nicht wahr sein, aber ein brennender Schmerz am linken Fuß und an der rechten Hand bestätigen, dass ich richtig gesehen habe. Nun heißt es ausweichen. Bloß keine Tentakel ins Gesicht bekommen. Und bloß keine Panik bekommen! Wasserballkraul hilft mir, mich durch diesen Schwarm hindurch zu kämpfen. Nach ca. 100 m ist der Spuk vorbei. Aber weit gefehlt. Auf dem Rückweg geht das Spektakel wieder los. Als ich aus dem Wasser steige, bin ich überglücklich keine schlimmeren Verbrennungen davongetragen zu haben. Im Gegensatz zu manch anderen Triathleten. Sie lassen sich von den Sanitätern mit Brandsalben versorgen. Doch das nehme ich alles nur am Rande wahr. Ich schnappe mir meinen Wechselbeutel, ziehe mich um. Da es immer noch regnet, entscheide ich mich für die Regenjacke. Helm auf und ab geht's die lange Wechselzone entlang zum Rad. Rad schnappen und weiter geht's bis zur Linie, an der ich dann endlich aufsteigen darf. Den Regen spüre ich kaum, ich spule einfach mein Programm ab. Gut, dass wir die Strecke rauf zum Kloster Lluc schon vorher einmal gefahren sind. So kann ich mir den immer steiler werdenden Anstieg bis auf 850 m Höhe gut einteilen. Auf der Strecke zum Kloster sehe ich sehr viele Athleten am Rand mit einem Plattfuß stehen und hoffe, dass uns das nicht passiert. Oh Gott, die Armen. Jetzt mit den nassen klammen Fingern den Schlauch wechseln! Hinterher erfahre ich, dass auch Thomas einen Platten hatte. Nach dem Kloster fülle ich meine mittlerweile leer gewordenen Trinkflaschen wieder auf. An den Verpflegungsstellen stehen jede Menge Kinder und reichen uns Getränke, Bananen und Riegel an. Das machen sie mit so einer großen Freude und dazu feuern sie uns auch immer wieder an, dass es mich richtig motiviert weiter gegen den immer stärker werdenden Regen anzukämpfen. Die nun folgende Abfahrt ist mit Vorsicht zu genießen. Davor haben uns die Wettkampfrichter schon am Vortag gewarnt. Auch hier hilft mir mein bisheriges Training. In einer Serpentine rutscht direkt vor mir ein Triathlet mit seinem Rad aus, so dass ich blitzschnell ausweichen muss um nicht auch zu stürzen. Ich will anhalten, aber zum Glück sind Helfer gleich in der Nähe. Nach einer 90 km Runde durch das Tramuntana Gebirge und anschließend durch die flache Landschaft im Nordosten Mallorcas erreiche ich erschöpft, aber glücklich wieder die Wechselzone. Mit dem Rad wieder die lange Wechselzone entlang, Rad abstellen, weiter laufen, Wechselbeutel schnappen und Laufschuhe anziehen. Schnell noch aufs Dixiklo. Meine sorgfältig in den Trisuit gepackten Coladrops und Traubenzucker purzeln dabei alle raus. Mist! Weiter geht's, ab auf die Laufstrecke, jetzt nur noch den Halbmarathon meistern ;-) Am Anfang versuche ich noch den Pfützen auszuweichen, lasse das aber schnell sein, es sind zu viele. Ausserdem regnet es immer noch! Mal schauen wie viele Blasen ich mir laufe... Ich bin stolz auf mich. Während schon einige Triathleten gehen, laufe ich selbst an den Verpflegungsstellen, schnell noch ein Getränk - Iso oder Wasser - schnappend. Cola noch nicht, die gönne ich mir erst ab der 2. ten Hälfte. Ist das ein Genuss, hier ist sie sogar noch kalt. Die Laufstrecke entlang der Strandpromenade von Port de Alcudia muss 2 1/2 mal umrundet werden. Überall stehen Leute und feuern einen an, trotz Regen. Dann endlich nur noch ein paar Kilometer. Ich habe meine beiden Kontroll-Laufbänder eingesammelt und darf gleich ins Ziel einlaufen. Die Musik und die Moderatorin werden immer lauter. Gleich hab ich's geschafft. Ich hebe die Arme, strahle, da steht Andrea, ich klatsche ab und überquere die Ziellinie. Ich schaue in ein strahlendes Gesicht. Das Mädchen sagt lächelnd zu mir "you are an ironwoman"  Wow, das wollte ich hören. Sie legt mir die Medaille um und ich bedanke mich für so viel Freundlichkeit. Gleich hinter der Ziellinie steht Thomas und nimmt mich überglücklich in den Arm. Ich schluchze vor Erschöpfung und Freude. Geschafft. Ich hole mein Finisher T-Shirt ab und gehe in den Athletes Garden. Thomas versorgt mich mit Getränken, essen kann ich noch nichts. Das hole ich alles nach. Da es immer noch regnet und mir kalt wird, gehe ich schnell ins Hotel und stelle mich eine gefühlte Stunde unter die warme Dusche. Das tut gut! Fühle mich wie ein neugeborener Mensch. Abends stoßen wir auf unseren Erfolg an. Udo hat sogar in seiner Altersklasse den 3. Platz gemacht. Glückwunsch. Glückwunsch an alle die gefinisht haben! Wenn ich so an die Vorbereitung zurück denke, hat alles sehr gut gepasst. Auf  den Tag genau war ich fit für den Ironman 70.3 Mallorca. 

Viele Grüße
Petra